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AGRARBÜNDNIS ÖSTERREICH

 

Wir tragen Verantwortung für unsere Zukunft - und müssen auch unseren Kindern und Enkelkindern Antwort geben auf die Frage, ob wir um den schlechten Zustand unserer Lebensgrundlagen wussten, welche Rolle wir dabei hatten oder ob wir etwas gegen die fortschreitende Zerstörung unserer Umwelt unternommen haben. Wir wollen nicht tatenlos zusehen - und sind überzeugt davon, dass wir dabei nicht alleine sind!

Bündnis für eine bäuerliche, umwelt- und sozialverträgliche Landwirtschaft

Die Zukunft der Landwirtschaft wird von der Gesamtgesellschaft entschieden. Schlagzeilen, wie Nitrate und Pestizide im Grundwasser, Rückstände von Antibiotika im Fleisch, Dioxine und Salmonellen im Geflügel, die Risiken der Gentechnologie und nicht zuletzt BSE sind viel zu oft in den Medien.

Mit dem Auftreten der BSE-Krise steigt die Bedeutung der bäuerlichen Landwirtschaft. Diese schwerwiegenden Probleme sind die Folgen einer industrialisierten Landwirtschaft.

Daher suchen wir als Bäuerinnen und Bauern, die für eine bäuerliche, umwelt- und sozialverträgliche Landwirtschaft eintreten, eine intensivere Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und gesellschaftlichen Gruppen.

Die Form von Landwirtschaft, die von sich aus ökologische und soziale Verantwortung übernimmt und gesunde Lebensmittel erzeugt, läuft Gefahr den Interessen des globalen Handels und der Konzerne sowie der Logik einer kurzfristigen Kostenminimierung geopfert zu werden. Um diese aktiv zu unterstützen und noch mit Genuß essen zu können, halten wir ein breites Bündnis von gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen für notwendig.

Die kleinen und mittleren Bauernhöfe sind weltweit die Mehrheit der Betriebe und sie wirtschaften nachweislich effektiver und umweltfreundlicher als die industrielle Landwirtschaft. Zudem sind sie die wichtigsten Träger dafür, dass die ländlichen Regionen lebendig und attraktiv erhalten werden. Eine bäuerliche Landwirtschaft hat es aber unter den derzeitigen agrarpolitischen Rahmenbedingungen nicht leicht, umweltverträglich zu wirtschaften und damit zu überleben.

Wichtiges Ziel dieses Bündnisses von Organisationen aus dem bäuerlichen-, Umwelt-, Dritte Welt-, VerbraucherInnen-, Tierschutz- und kirchlichem Bereich ist es, eine bäuerliche, umwelt- und sozialverträgliche Landwirtschaft zu unterstützen und auf deren enormen kulturellen Wert und Leistung aufmerksam zu machen. Das Bündnis will einen gesellschaftlichen Diskurs starten und auch auf die zahlreichen Widersprüche in der Agrarlandschaft und dem Konsumverhalten aufmerksam machen.

Dieses Bündnis will eine Orientierung der Landwirtschaft an den wirklichen Bedürfnissen der Gesellschaft:

  • die Sicherung unserer Lebensgrundlagen und Erhaltung der Artenvielfalt
  • die kleinen und mittleren bäuerlichen Strukturen erhalten und neu entfalten
  • die Erzeugung qualitativ hochwertiger und gesunder Lebensmittel
  • Preise, die in Verbindung mit einer gerechten Verteilung der Direktzahlungen nach sozialen und ökologischen Kriterien die bäuerliche Arbeit angemessen entlohnen.
  • Überschüsse durch eine umweltgerechte Landwirtschaft vermeiden
  • eine Orientierung am regionalen Markt und weg von der Massenproduktion für den Weltmarkt
  • Arbeitsplätze im ländlichen Raum erhalten und schaffen faire Handelsbeziehungen

Überschüsse vermeiden und die Umwelt schützen durch eine flächendeckende Ökologisierung der Landwirtschaft

Wir wollen eine wirksame Überschussreduzierung durch eine Begrenzung der Tierzahl pro Hektar auf ein ökologisch verträgliches Maß und eine Reduktion von Düngern und Agrarchemikalien. Damit schaffen wir einen Ausgangspunkt für eine anzustrebende flächendeckende Ökologisierung der Landwirtschaft. Zur Überschussverringerung können auch regulative Maßnahmen (effektive Quotenregelung, Quotensenkung) und Anreize zur Produktionsbegrenzung (wie z.B. ein freiwilliger Lieferverzicht) sinnvoll beitragen.

Wir schlagen folgende Maßnahmen vor:

  • Die Zahlung von Ausgleichsbeihilfen muss nachhaltigen, landwirtschaftlichen Produktionsweisen vorbehalten sein (weniger als 2 GVE/ha einschließlich aller Tiere im Betrieb, keine Wachstumsförderer, keine Antibiotika und Hormone in Futtermitteln, keine Überdüngung,...).
  • Aufbau einer eigenen Eiweißpflanzenproduktion, um von Futtermittelimporten unabhängig zu werden: Schaffung einer Futterprämie für Grünland und Futterbau (Leguminosen und andere) anstelle der Silomaisprämie.
  • Abschaffung der Flächenstilllegungsprämie und Umwandlung der Getreideüberschüsse in Futter - und Eiweißpflanzenanbau, Heckenschutzprogramme und eigene Naturschutzmaßnahmen.
  • Abschaffung der Exporterstattungen und Einführung einer Abgabe, die im Falle von Überschüssen nach dem Verursacherprinzip von den größten Produzenten eingezogen werden kann.
  • Die Anwendung des Vorsorgeprinzips und damit beim derzeitigen Wissensstand ein klares Verbot für den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.
  • Offensive Förderung von nachhaltigen Produktionsweisen durch den EAGFL (Europäischer Ausgleichs- und Garantiefonds Landwirtschaft) für die Ökologisierung der Landwirtschaft.

Wir treten für die flächendeckende Ökologisierung der Landwirtschaft ein, wobei die Methode des biologischen Landbaues als Leitbild dient.
Wir schlagen als erste Schritte dahin folgende Maßnahmen vor:

  • Erarbeitung eines Bio-Forschungskonzeptes und Ausweitung des Forschungsbudgets für den biologischen Landbau.
  • Aufnahme des Biologischen Landbaus in die Lehrpläne der Landwirtschaftlichen Berufs-, Fach- und höheren Schulen
  • Ausbau der Direktzahlungen für Biolandbau im ÖPUL
  • Ausbau der Investitionsförderung für Biologischen Landbau und keine weiteren Förderungen für agroindustrielle Projekte
  • Ausbau der Verbandsförderung zur Verbesserung der Vermarktungs- und Beratungsstrukturen.

Probleme durch die derzeitige Agrarpolitik

In Zusammenhang mit dem Verbot von Tiermehl soll nun der Import von Soja aus Brasilien forciert werden. Diese Sojaimporte haben katastrophale Auswirkungen. Zum Beispiel werden in Brasilien zum Anbau von Sojabohnen, die in unseren Futtertrögen landen und unsere Überschüsse verstärken, riesige Regenwaldflächen gerodet. Diese sensiblen Böden sind äußerst erosionsgefährdet und trocknen aus. Es handelt sich dabei um einen gewaltsamen Kreislauf von Hunger, Naturzerstörung und Überschüssen.

Durch eine chemieintensive Produktionsweise und enorme Futtermittelimporte haben wir in der EU und in Österreich ein ständiges Problem mit Überschüssen. Diese Produktivitätssteigerung von 3% bewirkt auch, dass jährlich 3% der Bäuerinnen und Bauern aus der Landwirtschaft gedrängt werden. Wenn das unverändert weitergeht, ist in 24 Jahren die Zahl der Bäuerinnen und Bauern halbiert.

Das umweltbelastende Modell ist EU-weit die dominierende und am meisten geförderte Form von Landwirtschaft. Da es auf immer geringere Akzeptanz und Legitimation in der Bevölkerung stößt, wird versucht, es mit Hilfe verschleiernder Begriffe, wie Europäisches Modell der Landwirtschaft, Ökoland Österreich, etc. oder idyllischer Werbebilder hinter einer umweltverträglichen und bäuerlichen Landwirtschaft zu verstecken.

Auch in Österreich gibt es eine intensive Massenproduktion mit

  • Überschüssen und Verdrängungswettbewerb
  • Umweltbelastung und Minderung der Lebensmittelqualität
  • Entleerung der Regionen, Verlust von Arbeitsplätzen, Kultur und Lebensgrundlagen.

Das Modell einer umwelt- und sozialverträglichen Landwirtschaft muss in Österreich, in Europa und anderswo weiterentwickelt, gelehrt und konsequent politisch unterstützt werden.

Es ist wichtig, Widersprüche aufzuzeigen und bewusst zu machen, damit Bäuerinnen und Bauern mit einer umweltfreundlichen Produktionsweise nicht weiterhin als Imagepfleger für die industrialisierte Landwirtschaft missbraucht werden!

Mut zur Offenlegung der unterschiedlichen Leistungen von Bäuerinnen und Bauern an die Gesellschaft

Wir wollen, dass an Stelle des derzeit ruinösen Verdrängungswettbewerbes, bei dem nur wenige große Betriebe und eine geschädigte Umwelt übrig bleiben, ein gemeinsames Überleben möglichst vieler Bauern und Bäuerinnen mit der Natur möglich ist.

Wir halten es für einen wichtigen und notwendigen Schritt, offen und ohne individuelle Schuldzuweisung darüber zu sprechen und einen Umgang damit zu lernen.

Wir haben es derzeit mit sehr unterschiedlichen Leistungen "der Bauern" an die Gesellschaft zu tun: Die gesellschaftliche Leistung eines Intensivbetriebes, der die Umwelt belastet und den Markt überlastet, steht im Gegensatz zur Leistung eines Bauern, der sich sowohl am Bedarf der Gesellschaft als auch an der Erhaltung der Lebensgrundlagen orientiert.

Die Landwirtschaft hat sich, gefördert durch die wirtschaftlichen und agrarpolitischen Rahmenbedingungen und das derzeitige Beratungswesen, in diese Situation hineinmanövriert, in der immer mehr Bauern aufgeben und die anderen stärker wachsen und noch intensiver produzieren müssen.

Das Prinzip des gemeinsamen Überlebens mit der Natur soll die Grundhaltung und Basis im Agrarbündnisses bilden.

Bäuerliche Arbeit angemessen entlohnen: Faire Preise und eine gerechte Verteilung der öffentlichen Gelder

Die Direktzahlungen machen derzeit rund zwei Drittel des landwirtschaftlichen Einkommens aus. Sie orientieren sich vordergründig an der Betriebsgröße und an der Tierzahl und nicht am zu leistenden Arbeitsaufwand und dem gesellschaftlichen Bedarf nach Erhaltung unserer Lebensgrundlagen.

Damit begünstigen sie die großen und intensiven Betriebe und beschleunigen den Verdrängungswettbewerb.

Zu den künstlichen Weltmarktpreisen kann kein Bauer und keine Bäuerin auf der Welt produzieren. Diese sind niedriger als die Produktionskosten.

Wir stehen vor der paradoxen Situation, dass aus volkswirtschaftlicher Sicht ein Liter Trinkwasser mehr kostet als ein Liter Milch, dass ein Kilo Schuhcreme mehr kostet als ein Kilo Butter, dass eine Tonne Müll mehr kostet als eine Tonne Weizen!

Wir fordern eine deutliche soziale Staffelung und Obergrenzen bei Direktzahlungen sowie Sockelbeträge - etwa bei der Bergbauernförderung und im Umweltprogramm, die die kleinen und umweltfreundlichen Betriebe wirksam unterstützen. Zur Förderung der Beschäftigung in der Landwirtschaft schlagen wir vor, die Direktzahlungen an die Arbeitskraft und an einen ökologischen Mindeststandard zu binden.

Der Kostenwahrheit kommt eine wesentliche Schlüsselrolle zu. Es ist langfristig anzustreben, dass die Folgekosten der Umweltzerstörung durch die zu intensive Produktion und das globale Transportunwesen von landwirtschaftlichen Rohstoffen - wie zum Beispiel Futtermitteln - und die Kosten des Gesundheitswesens, etc. in die Preisgestaltung mit einbezogen werden. Diese Kosten werden heute von den SteuerzahlerInnen getragen und nicht den Verursachern angelastet. Erst wenn wir diese Kostenwahrheit erreichen, werden regionale und umweltfreundlich produzierte Produkte sowohl im Süden wie auch im Norden wieder eine echte Chance haben.

Die ständig sinkenden Erzeugerpreise in Verbindung mit einer ungerechten Verteilung der Direktzahlungen erhöhen den Rationalisierungsdruck, vernichten weitere bäuerliche Arbeitsplätze und kurbeln die Überschussproduktion an.

Damit hochwertige Lebensmittel auch angemessene Preise erzielen können, müssen die Überschüsse reduziert werden!

Partnerschaft zwischen BäuerInnen und KonsumentInnen für eine gesunde Ernährung und Umwelt

Gesundheit und Konsumentenschutz sind uns ein Hauptanliegen. Viele verantwortungsvolle Konsumentinnen und Konsumenten haben bisher schon durch ihr Bemühen, bewusst Bauernhöfe und Bauernmärkte aufzusuchen und biologische und bäuerliche Lebensmittel einzukaufen, viel für eine umweltgerechte Landwirtschaft beigetragen. Auf der einen Seite steht die artgerechte Haltung und Fütterung der Tiere und umweltschonende Techniken in der landwirtschaftlichen Produktion. Auf der anderen Seite die Sorge um die Gesundheit und Umwelt im Zusammenhang mit unserer Ernährung. Das alles verbindet uns und ermöglicht die Zukunftsfähigkeit unseres Ernährungssystems. Nur gemeinsam können wir den natürlichen Reichtum unseres Landes nachhaltig erhalten.

Im Wissen um die Auswirkungen des Konsumverhaltens auf Gesundheit und Umwelt, verbünden wir uns als KonsumentInnen und BäuerInnen, um neue Wege der sozialen Tragfähigkeit und ökologischen Nachhaltigkeit zu gehen. Wir wollen das Lebendige und Organische in der Landwirtschaft und Ernährung schützen.Denn nur eine Partnerschaft, in der die KonsumentInnen bereit sind Verantwortung zu tragen und in Zeiten des Wohlstandes den Bauern für gesunde Lebensmittel einen gerechten Preis zu zahlen, ermöglicht eine nachhaltige und vor allem auch in Krisenzeiten eine sichere Ernährung der Bevölkerung.

KonsumentInnen tragen große Verantwortung für das Ernährungssystem. Wenn sich laut Umfragen 90 bis 95% für die Erhaltung einer bäuerlichen Landwirtschaft aussprechen, anderen Untersuchungen zufolge aber bis zu 60 % der gleichen KonsumentInnen bei ihrem Einkauf zu den billigsten Lebensmitteln greifen, dann tragen wir durch dieses widersprüchliche Verhalten zu den negativen ökologischen und sozialen Konsequenzen bei. Auch der neoliberale Leistungsstress, der auf den arbeitenden Menschen lastet und viele an den sozialen Rand drängt, ist ein weiteres Element, das ein nachhaltiges Wirtschaften verhindert. Zusätzlich bewirkt die rücksichtslose Konzentration in der Be- und Verarbeitungsindustrie sowie im Handel, dass ökologische Zusammenhänge, sofern noch vorhanden, endgültig aufgelöst und soziale Netzwerke zunehmend zerstört werden.

Allen diesen Entwicklungen treten wir gemeinsam entschieden entgegen. Wir wollen eigenständig eine Bildungsarbeit in Angriff nehmen, die uns nicht nur ermöglicht, die Zusammenhänge zu erkennen, sondern uns auch ermächtigt, die Bedingungen zu verändern.

Orientierung am europäischen Binnenmarkt - jede Region der Welt braucht Ernährungssouveränität

Unter Ernährungssouveränität verstehen wir das Recht jedes Staates die eigenen Nahrungsmittel zu produzieren, was die wesentliche Grundlage für Ernährungssicherheit darstellt. Das verbindet uns Bäuerinnen und Bauern im Norden mit den Bäuerinnen und Bauern im Süden. Das Recht auf Nahrung ist Teil der universellen Menschenrechte und umfasst auch das Recht auf Zugang zu den produktiven Ressourcen, wie Land, Wasser, Saatgut, Krediten, Bildung, Gesundheitseinrichtungen und Arbeit. Landreformen gehören ebenso dazu wie eine nachhaltige Nutzung des Landes, die gerade in den Industrieländern eine bedeutende Rolle spielt.

Die Erhaltung der biologischen und kulturellen Vielfalt gehört genauso dazu wie der Verbleib der Kontrolle über das Saatgut in den Händen der (Bauern und Bäuerinnen) bäuerlichen Gemeinschaften und damit der Kampf gegen Patente auf Leben und ein aktives Auftreten für Frieden.

Die Weltmarktorientierung der EU-Agrarpolitik hat nicht nur für viele Bauern und Bäuerinnen in Europa negative Auswirkungen. Die Dumpingexporte untergraben die Lebensmittelproduktion und die Existenz von Bauern und Bäuerinnen in vielen Regionen der Welt und bedrohen die Ernährungssicherheit sowie die Umwelt. Wir treten dafür ein, dass sich die EU, aber auch andere Staaten, wieder weitgehend auf den Binnenmarkt konzentrieren.

Solidarisch teilen und fair handeln

Neoliberale Strukturanpassungsprogramme, eine zunehmende Liberalisierung von Agrarmärkten und die Globalisierung der Lebensmittelherstellung bringt in vielen Ländern des Südens eine Situation hervor, in der wertvolle natürliche Ressourcen ausschließlich für Exportprodukte eingesetzt werden. Daneben zerstören Billigimporte von Nahrungs- und Lebensmitteln die lokalen Märkte und nachhaltige Wirtschaftsweisen. Nicht selten werden von reicheren Industrieländern Hilfsgelder dafür verwendet, Nahrungsmittel, die im Norden nicht absetzbar sind, im Süden billig zu verschleudern. Die verantwortungslose Verwendung von Steuergeldern, mit denen lediglich einige wenige transnationale Unternehmen kurzfristig gewinnen, geht mit einer ungeheueren Verschwendung von natürlichen Ressourcen einher und verdrängt zusehends auch Bauern und Bäuerinnen in Ländern des Südens aus der Landwirtschaft.

Mit der Anwendung von Gentechnologien gehen nicht nur ökologische und gesundheitliche Risiken einher, sondern sie hat auch zu einer Situation geführt, in der die wichtigsten Ernährungspflanzen der Welt als Patente in den Händen einiger weniger globaler Unternehmen liegen. Gentechnologien, wie GURTs und BioPatente machen nicht nur ganze Staaten in ihrer Agrar- und Wirtschaftspolitik erpressbar, sie provozieren auch eine Situation in der Bauern und Bäuerinnen, deren Groß- und Urgrosseltern die Vielfalt von Land- und Kultursorten in bestem Vertrauen an private und staatliche Organisationen überlassen haben, nun zu potenziellen Kriminellen gemacht werden. Im internationalen Zusammenhang jedoch machen diese Kontrolltechnologien und - gesetze Saatgut und Nahrungsmittel zu einer Waffe, mit der Bauern und Bäuerinnen, KonsumentInnen und Regierungen der verschiedenen Länder beliebig gegeneinander ausgespielt werden können.

Nicht die Menge der Nahrungsmittel ist je das Problem der Versorgung gewesen, sondern die ausschließliche Verfügungs- und Kontrollgewalt von einigen wenigen Unternehemen über die Herstellung und Verteilung von Nahrungs- oder Lebensmitteln sowie anderen lebensnotwendigen Gütern.

Wir wenden uns mit aller Vehemenz gegen die Monopolisierung des Lebens und das damit einhergehende Konflikt- und Kriegspotenzial. Wir wollen weltweit eine ökologische Landwirtschaft, die soziale Gerechtigkeit fördert und die kulturellen Grundlagen auf denen sie beruht achtet und ihre Produkte fair unter gleichberechtigten PartnerInnen handelt.

Ländliche Entwicklung

Die "zweite Säule" der Agenda 2000 soll nicht dazu benutzt werden, um die Schäden der Gemeinsamen Agrarpolitik zu begleiten und auszugleichen. Sie soll vielmehr integrierte ländliche Entwicklungsprogramme mit einer ökologischen Qualitätsproduktion, einer regionalen Verarbeitung und Vermarktung unterstützen und wertvolle Arbeitsplätze erhalten und schaffen. Und damit auch einen besseren Ausgleich zwischen den Regionen in der EU (inklusive den MOE-Ländern) herstellen.

Bei der Vergabe von öffentlichen Geldern aus den Programmen für die ländliche Entwicklung sollen auch VertreterInnen der betroffenen Bevölkerung mitbestimmen.

Feministische Politik einer nachhaltigen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft

In Österreich, in vielen Ländern der EU und weltweit tragen vor allem Frauen in der Landwirtschaft weitgehend die Last der agrarpolitischen Entwicklung - wie zum Beispiel die durch die Agrarindustrie verursachten Skandale und Krisen.

Ihre Rolle als Innovateurin und Beraterin wird beispielsweise bei der Veredelung landwirtschaftlicher Rohstoffe und der Direktvermarktung deutlich. Durch die niedrigen Preise für landwirtschaftliche Produkte werden ökonomische und ökologische Risiken auf Bauern abgewälzt und stark durch die Arbeitsleistung von Frauen ausgeglichen. Der weltweiten Feminisierung der Landwirtschaft mit kaum anerkannten und nicht bis gering entlohnten Leistungen stehen jene Frauen gegenüber, die für sich und andere die Konsumarbeit zu leisten haben. Die Konsumentinnen übernehmen durch ihre (zusehends monetär eingeschränkte) Einkaufsentscheidung die Verantwortung für jene gesundheitlichen Risiken, die die Agrar- und Lebensmittelindustrie nicht zu tragen bereit sind. Daran werden auch die neu gegründeten Ernährungssicherheits-Agenturen und Begriffe wie „mulitfunktionelle Landwirtschaft„ nichts ändern. Ganz im Gegenteil, wir sehen darin eine Verstärkung der Zentralisierung der Informationspolitik und der paternalistischen Politik. Eine Neuauflage alter und überholter Bilder von Geschlechterrollen und eine Neueinrichtung von chauvinistischen Kontrollinstanzen tragen den Anforderungen der Wirklichkeit nicht Rechnung - weder der von Bäuerinnen noch der von Konsumentinnen.

Wir wollen, dass eine ökologisch und sozialorientierte Agrarpolitik und Lebensmittelpolitik sich auch an frauenpolitischen Interessen orientiert und wir fordern demokratische Entscheidungsprozesse, sowie entsprechende Mittel dafür, diesen Bedürfnissen verstärkt zum Durchbruch zu verhelfen.

Weil wir nachkommenden Generation eine Welt übergeben wollen,
in der es Freude macht zu leben,
die es allen Menschen ermöglicht das eigene Leben zu gestalten,
die allen Chancen und Gelegenheiten bietet die eigenen Fähigkeiten zu entfalten.

Überparteilichkeit und faire Zusammenarbeit im Agrarbündnis

Zum Gelingen dieses Bündnisses für eine bäuerliche, umwelt- und sozialverträgliche Landwirtschaft ist es wesentlich, den Fragen der Transparenz und der Demokratie in den Beziehungen besondere Beachtung zu geben.

Das Bündnis versteht sich als eine Arbeitsgemeinschaft ihrer Mitgliedsorganisationen zur gemeinsamen Förderung einer bäuerlichen, umwelt- und sozialverträglichen Landwirtschaft. Als Mitgliedsorganisation werden Gruppen eingeladen, die in ihrem Engagement für die im gemeinsamen Positionspapier festgelegten inhaltlichen und demokratiepolitischen Prinzipien und Ziele eintreten.

Das Bündnis wurde zunächst von zwei überparteilichen Organisationen (Österreichische Bergbauern-und -bäuerinnenvereinigung und Unabhängiger Bauernverband) in einem überparteilichen Selbstverständnis gegründet, um für verschiedene Initiativen offen zu sein und offen zu bleiben. Dieses Selbstverständnis der Offenheit und der Überparteilichkeit muss im Sinne der Gründer prinzipiell aufrechterhalten werden.

Eine einseitige Vereinnahmung durch eine Partei oder durch eine Organisation darf nicht zugelassen werden. Versuche einzelner Mitgliedergruppen, das Bündnis für ihre Ziele zu dominieren oder andere Gruppen zu vereinnahmen, müssen daher - wenn sie auftreten - offen angesprochen und im Sinne einer fairen, konstruktiven Konfliktlösung bearbeitet werden. Die Form der Zusammenarbeit im Bündnis muss der Haltung ihres selbst gesteckten Zieles einer Sicherung der gemeinsamen Lebensgrundlagen entsprechen.

Die konkreten Zuständigkeiten im Bündnis bezüglich der Prozesse in der Meinungsbildung, in der Entscheidungsfindung, in der Aktionsplanung und in der Öffentlichkeitsarbeit werden in einer Geschäftsordnung geregelt.

Die Mitakteure dieses Bündnisses sind davon überzeugt, dass die Sicherung der Ernährung und die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen weltweit nur durch eine bäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft möglich ist. Dazu ist es notwendig, die Zahl der Bauernhöfe und die bäuerlichen Arbeitsplätze zu erhalten. Wir lassen uns nicht länger gegeneinander ausspielen, sondern wir wollen eine weltweite Solidarität unter Bäuerinnen und Bauern und KonsumentInnen und diese zukünftige Zusammenarbeit in einem Agrarbündnis auf regionaler und nationaler Ebene ist ein wichtiger Beitrag dazu.

Redaktion: DI Elisabeth Baumhöfer, Johann Felbauer, Dr. Josef Hoppichler, Karl Ketter, DI Gertrude Klaffenböck, Robert Kraner, Roman Liebhart, Franz Rohrmoser, Mag. Lois Ziebermayr